5 Tipps für bessere Landschaftsfotos

5 Tipps für bessere Landschaftsfotos

5 Tipps für bessere Landschaftsfotos

Landschaftsfotografie ist eines der beliebtesten Genres innerhalb der Fotografie. Vom Sonntagsnachmittagsspaziergang bis hin zum Jahresurlaub bieten sich viele Gelegenheiten, Erinnerungen an eindrucksvolle Landschaften festzuhalten.

Leider folgt der Begeisterung für die Landschaft häufig eine Enttäuschung über die gemachten Fotos, die das Gesehene irgendwie nicht so zeigen, wie man es eigentlich gesehen hat.

„In der Realität ist das viel eindrucksvoller“, ist ein Spruch, den man häufiger zu hören bekommt, wenn man Urlaubsfotos eines Freundes anschaut – und den ich mich selbst noch viel zu oft sagen höre.

Aber wie macht man es besser? Wie gelingen Landschaftsfotos so, dass man zumindest ein bisschen von dem Gefühl im Betrachter erzeugen kann, das man hatte, als man das Foto aufgenommen hat? Wie kommt man vom „Pfui“ zum „Hui“? Hier 5 Tipps für erfolgreiche Landschaftsfotos.

1) Nutze interessantes Licht

Licht ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Zutaten für gelungene Landschaftsfotos. Ohne Licht kein Bild, ohne gutes Licht kein gutes Bild – so könnte man etwas überspitzt formulieren.

Leider ist das Licht nicht immer so optimal, wie man sich das wünscht. Häufig findet man in den frühen Morgen- und in den späten Abendstunden gute Lichtsituationen vor. Nicht umsonst sprechen manche Landschaftsfotografen daher vom „fünf-Uhr-früh-Filter“ und dem „acht-Uhr-abends-Filter“.

Weg ins Licht

In den Morgen- und Abendstunden bieten sich interessante Gegenlichtsituationen.

Die tiefstehende Sonne tönt die Landschaft dann häufig in schöne Farben. Interessante Gegenlichtsituationen ermöglichen eindrucksvolle Aufnahmen. Die Schatten sind länger, die Aufnahmen gewinnen an Dynamik.

Auch die Wetterbedingungen haben einen großen Einfluss auf das vorherrschende Licht. Gute Gelegenheiten bieten sich häufig bei bewölktem Himmel, wenn es gleichzeitig etwas windig ist. Dann reißen Wolken manchmal auf und die Sonne beleuchtet Teile der Landschaft – wie ein riesiger Scheinwerfer.

Waldfotografien macht man allerdings am besten bei bedecktem Himmel, da dann die Kontraste geringer sind. In einem sonnendurchflutetem Wald stößt die Kamera schnell an ihre Grenzen. Zu groß sind die Helligkeitsunterschiede zwischen den im Schatten liegenden Bereichen und den von der Sonne angestrahlten Stellen. Optimalerweise hat es kurz vor dem Fotografieren geregnet – dann sind die Farben besonders intensiv. Ähnliches gilt übrigens auch für die Bachfotografie, wo die Sonne sonst schnell dafür sorgt, dass Wasserwirbel im Bild überstrahlt werden und als rein weiße Flächen wiedergegeben werden. Du siehst, manchmal heißt gutes Licht auch wenig Licht.

Für Landschaftsfotografien in Schwarzweiß eignet sich dagegen oftmals das harte Licht des Tages besser. Gerade in der Schwarzweiß-Fotografie kommt es häufig auf die Kontraste an – und die sind tagsüber meistens deutlicher ausgeprägt als in den Morgen- und Abendstunden.

2) Finde dein Hauptmotiv

Ein häufiger Fehler beim Fotografieren von Landschaften ist, einfach „draufloszuhalten“. Die Kamera sieht nun einmal anders als das menschliche Auge – und das sollte man berücksichtigen, wenn man interessante Fotos machen möchte.

Am Obersee, Nationalpark Berchtesgaden

Am Obersee, Nationalpark Berchtesgaden

Wenn wir eine Landschaft betrachten, fokussiert sich unser Blick ganz automatisch auf bestimmte Bereiche innerhalb der Szenerie. Das Gehirn blendet störende Elemente einfach aus und wir sehen eine tolle Landschaft.

Die Kamera ist da sehr viel erbarmungsloser, was das Festhalten einer Landschaft angeht. Sie bringt genau das auf den Sensor, was vor der Linse liegt – ohne dass störende Bereiche ausgeblendet werden und ohne dass besonders interessante Bereiche hervorgehoben werden.

Übrigens: Eine detailierte Gegenüberstellung von Kamera und (menschlichem) Auge findest du auf den Seiten von digitalcameraworld.com hier.

Ein Foto ohne klare Aussage – ohne ein klares Hauptmotiv – kann daher schnell verwirrend auf den Betrachter wirken und wird dann uninteressant. Unsere Aufgabe als Landschaftsfotografen ist es daher, aus der Gesamtheit der vor uns liegenden Szene die für das Bild wichtigen Elemente herauszufiltern und das Bild so aufzubauen, dass das Hauptelement bzw. die wichtigen Bildelemente in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen (siehe dazu die Reihe Bildkomposition).

Junger Wald

Die vielen parallelen Stämme bilden ein Muster.

Im oberen Bild ist das Bootshaus das Hauptmotiv. Der Steg im vorderen Bereich lenkt den Blick auf das Hauptmotiv. Die vom Dach des Bootshauses gebildeten Fluchtlinien lenken dann den Blick des Betrachters weiter in das Bild hinein zu den Bergen im Hintergrund.

Es muss aber nicht immer ein bestimmtes Element des Bildes sein, das das Bild interessant macht. Im Bild links beispielsweise ist die parallele Anordnung der Stämme das Hauptmotiv – oder die Hauptaussage – des Bildes. Es entsteht ein Muster, das das Bild interessant für den Betrachter macht.

 

3) Beachte den Hintergrund

Hat man sich für sein Hauptmotiv entschieden, sollte man dennoch den Hintergrund des Bildes nicht aus den Augen verlieren. Zum einen sollte man darauf achten, dass sich im Hintergrund keine störenden Elemente befinden, wie z.B. Strommasten, Windräder oder Telefonleitungen. Auch ins Bild hineinragende Äste können den Gesamteindruck des Bildes später ziemlich stören.

Viele Dinge lassen sich zwar im Nachhinein mittels Bildbearbeitung retuschieren, aber es ist immer besser, bereits bei der Aufnahme darauf zu achten, möglichst gutes Ausgangsmaterial zu erhalten – das erleichtert die spätere Nachbearbeitung erheblich.

Farn im Licht (Kompaktkamera)

Hier bildet der Farn das Hauptmotiv

Beim Hintergrund geht es aber nicht nur um die o.g. Störquellen. Der Hintergrund an sich sollte den Bildaufbau unterstützen und nicht vom Hauptmotiv ablenken.

Eine Möglichkeit dafür ist z.B. auf die Farbigkeit des Hintergrundes zu achten. Einfarbige Flächen lenken weniger vom Hauptmotiv ab, als ein unruhiger Hintergrund mit vielen Farbtupfern.

Eine andere Möglichkeit wäre, den Hintergrund weichzuzeichnen, indem man mit einer entsprechend niedrigen Blende arbeitet (siehe dazu auch den Artikel über das Blende-ISO-Verschlusszeitdreieck).

Im Bild rechts bildet der beleuchtete Farn das Hauptmotiv, das mittels der Drittelregel im Bild plaziert wurde. Die beleuchteten Äste oben im Bild wirken als Rahmen und geben dem Bild einen Abschluss. Ich habe versucht, den unruhigen Hintergrund dadurch harmonischer zu gestalten, dass ich darauf geachtet habe, dass er im Schatten liegt und zusätzlich die Belichtung der Kamera auf den Farn ausgerichtet habe. Dadurch ist der Hintergrund im Bild sehr dunkel und lenkt weniger vom Hauptmotiv ab.

In der Landschaftsfotografie möchte man natürlich meist eine hohe Schärfentiefe erhalten. In dem Fall sollte man den Hintergrund so wählen, dass er klar und harmonisch wirkt. Reduktion auf das Wesentliche ist in vielen Fällen der richtige Weg zu einer ansprechenden Gesamtkomposition (vgl. auch hier).

4) Komposition – bring alles zusammen

Hat man sich für sein Hauptmotiv entschieden und auch den Hintergrund mit in seine Überlegungen einbezogen, geht es nun darum, alles in einer ausgewogenen Komposition zusammenzubringen. Hierfür gibt es eine Reihe von Kompositonsregeln, die die Bildkomposition erleichtern. Du findest einige dieser Regeln in meiner Serie Bildkomposition.

Diese Regeln solltest du aber eher als Vorschläge und weniger als Vorschriften betrachten. Spiele ein wenig mit den Regeln und schaue, welches Ergebnis du erhälst. Manchmal ist es gerade die Nichtanwendung einer Regel, die das Bild interessant macht. Letztlich geht es darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was funktioniert und was nicht. Und dafür ist einfach viel Übung notwendig (was mir ja auch genauso geht).

5) Wenn möglich nutze ein Stativ

Das beste Licht, das schönste Motiv und die tollste Komposition nutzen alle nichts, wenn das Bild verwackelt ist. Für verwackelte Bilder gibt es mehrere Ursachen.

Sun Beams

Diese von Hand bei einer Verschlusszeit von 1/13s aufgenommene Aufnahme sieht am Monitor noch einigermaßen scharf aus…

Zum einen kann sich das Motiv bewegen, was bei längeren Verschlusszeiten zu einer Bewegungsunschärfe führt. Man würde dann eigentlich auch nicht von einem verwackelten Bild sondern eher von einem unscharfen Bild sprechen.

Gegen Bewegungsunschärfe hilft das Stativ nicht. Hier kommt es einfach darauf an, die richtige Verschlusszeit zu wählen. Manchmal ist die Bewegungsunschärfe sogar gewollt, z.B. wenn ich eine Landschaftsaufnahme mache und die Verschlusszeit so wähle, dass die Wolken eine Bewegungsspur bekommen oder wenn ich in der Bachfotografie mit längeren Verschlusszeiten erreiche, dass das Wasser als eine Art Schleicher auf dem Bild erscheint.

Wenn sich während der Aufnahme die Kamera bewegt, bekommt man verwackelte Bilder. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur ein Element des Bildes unscharf ist (z.B. das Wasser im obigen Beispiel), sondern dass alles auf dem Bild unscharf ist.

Verwackelte Bilder kann man auch nicht später in der Bildbearbeitung retten. Bei Betrachtung in geringer Auflösung am Monitor mag das Bild noch einigermaßen scharf erscheinen, spätestens beim Druck zeigt sich dann jedoch die Unschärfe im Bild.

Sun Beams - Ausschnittsvergrößerung

…dieser Ausschnitt zeigt jedoch, dass das Bild verwackelt ist.

Moderne Kameras / Objektive bieten Bildstabilisatoren, um Verwackelungen zu vermeiden. Diese Verfahren funktionieren sehr zuverlässig, stoßen aber bei längeren Verschlusszeiten schnell an ihre Grenzen. Im allgemeinen kann man mit stabilisierten Kameras / Objektiven bis zu 3 Blendenstufen kompensieren, d.h. die Verschlusszeit kann entsprechend um 3 Schritte länger sein.

Bei noch längeren Verschlusszeiten ist das Stativ unabdingbar, will man keine Verwackelungen riskieren. Aber auch bei kürzeren Verschlusszeiten bietet das Stativ Schärfevorteile. Außerdem kann man mit dem Stativ in Ruhe den Bildausschnitt optimal einstellen.

Wichtig: Der Bildstabilisator sollte unbedingt ausgeschaltet sein, wenn ein Stativ verwendet wird, sonst sorgt der Bildstabilisator selbst für die Verwackelungen im Bild!

In diesem Artikel findest du noch ein paar Anregungen zur Verwendung eines Stativs. Lies auch meinen Erfahrungsbericht zum Manfrotto 055CXPRO4.