Bildkomposition – S-Kurven und geschwungene Linien

Räumliche Tiefe durch S-Kurven

In diesem Bild zieht die s-förmige Linie den Blick des Betrachters in das Bild hinein und sorgt so für räumliche Tiefe.

Heute mal wieder ein Beitrag in der Serie Bildkomposition. Ich hatte ja bereits in diesen Artikeln darauf hingewiesen, dass eine gute Bildkomposition den Blick des Betrachters in das Bild hinein zieht und räumliche Tiefe erzeugt.

Ein gut geeignetes Mittel, um gleich beide Aspekte umzusetzen, sind S-Kurven, also s-förmige Linien im Bild. Das sind häufig Wege oder Straßen, natürlich sind auch andere (natürliche) Strukturen denkbar.

S-Kurven führen nicht nur das Auge des Betrachters durch das Bild und erzeugen räumliche Tiefe. Sie verleihen einem Bild häufig auch  eine ganz eigene Dynamik, Bilder wirken durch S-Kurven häufig harmonischer und ausgewogener.

Die Blaueisgletscherquelle bei Ramsau im Berchtesgadener Land

Hier wurde eine natürliche Struktur – der Verlauf des Baches – als S-Form verwendet.

Während gerade Linien häufig eine gewisse Statik bzw. Stabilität erzeugen, bewirken S-Kurven eher das Gegenteil. Sie stehen für Bewegung und Schwung.

Dabei wirken S-Kurven, die von links unten nach rechts oben verlaufen (also die normale S-Form, wie im Bild des Bachlaufs rechts) im westlichen Kulturkreis auf den Betrachter häufig so, dass dieser den Eindruck hat, als ob das Motiv sich von ihm wegbewegt.

Andersherum wirken S-Kurven, die von links oben nach rechts unten verlaufen häufig so auf den Betrachter, als ob sich das Motiv auf ihn zu bewegt. Diese Wahrnehmung hängt vermutlich mit der Leserichtung von links nach rechts im westlichen Kulturkreis zusammen.