Was ist eigentlich ein Cropfaktor?

Immer wieder liest man in verschiedenen Foren vom Cropfaktor. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff und wozu sollte ich ihn kennen? Um diese Fragen geht es in diesem Artikel.

Zunächst einmal: Man kann durchaus gute Fotos machen, wenn man nicht weiß, was ein Cropfaktor ist 🙂 Der „Normalanwender“ kommt also durchaus sehr gut ohne dieses Wissen zurecht.

Trotzdem kann es natürlich nicht schaden, ein bisschen Theorie im Hinterkopf zu haben, wenn man sich mit der Kamera auf Fotosafari begibt.

Der Cropfaktor und dessen Bedeutung hängt eng mit dem Aufbau bzw. genauer der Größe des Bildsensors zusammen. Über den Bildsensor habe ich ja bereits in meinem Artikel über Pixel, Auflösung und Bildgröße etwas geschrieben.

Das Kleinbildformat

Um den Cropfaktor zu verstehen, müssen wir eine kleine Zeitreise unternehmen. Zu Zeiten analoger Kameras war die Filmgröße normaler Kleinbildkameras normiert (klar, sonst hätten damals nur Filme bestimmter Hersteller in die Kamera gepasst), man sprach vom sog. Kleinbildformat.

Ein Bild auf dem Negativ oder Diafilm hatte exakt die Maße von 24mm x 36mm (Höhe x Breite). Als die ersten Bildsensoren für digitale Kameras entwickelt wurden, waren diese zunächst noch sehr teuer, so dass man die Größe dieser Bildsensoren kleiner gestaltete als das ursprüngliche Kleinbildformat.

Heutige Bildsensoren digitaler Spiegelreflexkameras liegen im Bereich von ca. 16mm x 24mm (die genaue Größe variiert je nach Hersteller). Digitale Spiegelreflexkameras (kurz DSLR) mit einer solchen Sensorgröße werden auch als APS-C – Kameras bezeichnet (Advances Photo-System Typ C).

Demgegenüber haben sog. Vollformatkameras einen größeren Bildsensor. Dieser entspricht bei den Vollformatkameras dem ursprünglichen Kleinbildformat (daher auch der Name). Der größere Bildsensor der Vollformatkameras ist denn auch ein Grund für den höheren Preis der Vollformatkameras. Mittelformatkameras haben übrigens noch größere Bildsensoren.

Der entscheidene Punkt

Jetzt der entscheidende Punkt: Wenn ich bei einer gegebenen Objektivbrennweite (z.B. ein 100mm Tele) einen kleineren Sensor verwende, dann passt quasi nicht das ganze Bild auf den Sensor. Die Bildränder werden sozusagen abgeschnitten.

Davon bekomme ich als Anwender nichts mit, da der Sucher diese Besonderheit berücksichtigt und mir schon das beschnittene Bild zeigt (bzw. meist sogar noch etwas weniger).

Wenn ich nun diesen kleineren Bildausschnitt auf ein Foto mit den Abmessungen von z.B. 10cm x 15cm ausdrucke, dann vergrößere ich dadurch „künstlich“ das Bild! Ich ziehe den verkleinerten Bildausschnitt ja auf die gleiche Fotogröße wie ich es auch bei einem größeren Bildsensor machen würde.

Bei einem kleineren Bildsensor wird das Bild gegenüber einem Bildsensor im Kleinbildformat (Vollformatkameras) also beschnitten (eng. „to crop“ = beschneiden). Im Anschließenden Druck bzw. bei der Betrachtung am Monitor wird der verkleinerte Ausschnitt auf die gleiche „Ansichtsgröße“ gezogen und dadurch künstlich vergrößert.

Das Verhältnis zwischen einem origonal großem Bild und dem durch den kleineren Sensor beschnittenen Bild nennt man den Cropfaktor. Bei der Canon EOS 70D beträgt er beispielsweise 1,6.

Was bedeutet das nun in der Praxis?

Wenn ich ein 100mm – Teleobjektiv an einer Vollformatkamera betreibe, dann ist es tatsächlich ein 100mm – Tele. Betreibe ich das gleiche Objektiv aber an einer APS-C-Kamera mit einem Cropfaktor von 1,6, dann habe ich eine tatsächliche Brennweite von 160mm!

Das heißt, mein Tele wirkt an der APS-C-Kamera viel intensiver. Das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Objektive.

Ein 20mm – Weitwinkel ist an einer Vollformatkamera tatsächlich ein Weitwinkelobjektiv, an einer APS-C-Kamera mit einem Cropfaktor von 1,6 entspricht es aber einer Brennweite von ca. 32mm (20mm * 1,6).

Aufgrund des Cropfaktors werden APS-C-Kameras auch gerne von Tierfotografen eingesetzt, da die Brennweite eines Tele an diesem Kameratyp einfach größer ist.

Andererseits nutzen Landschaftsfotografen eher Vollformatkameras, da die Brennweite eines Weitwinkels dann nicht künstlich verlängert wird. Um z.B. an einer APS-C-Kamera mit einem Cropfaktor von 1,6 eine Weitwinkelbrennweite von 16mm zu erreichen, muss ich ein Objektiv mit einer Brennweite von 10mm einsetzen. Dies führt aber dann schon wieder zu Schwierigkeiten bei der Bildqualität (Randverzerrungen und -unschärfen).