Das Blende-ISO-Verschlusszeit-Dreieck

EIner der wichtigsten Zusammenhänge beim Fotografieren ist die Wechselwirkung von Blende, Verschlusszeit und dem ISO-Wert. Wenn man diese Wechselbeziehung verstanden hat, hat man sozusagen die „halbe Miete zusammen“. Aber was hat es mit diesen Dreien auf sich und wie hängen Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert zusammen? Anworten darauf liefert dieser Artikel.

Blende-Verschlusszeit-ISO

Zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert bestehen Wechselbeziehungen, die man kennen sollte, wenn man seine Ideen fotografisch umsetzen möchte

Die Blende

Die Blende ist für das Objektiv das, was die Pupille für unser Auge ist. Hilft nicht weiter? Dann ein kleines Experiment. Stelle dich vor einen Spiegel und halte beide Augen mit der Hand einige Sekunden lang zu. Nehme dann die Hand weg und betrachte im Spiegel deine Augen.

Du wirst feststellen, dass die Größe der Pupille (der schwarze Kreis im Innern des Auges) seine Größe ändert. Das Auge reguliert damit den Lichteinfall in das Auge. Bei wenig Licht ist die Pupille groß, damit möglichst viel Licht in das Auge gelangt und umgekehrt.

Bei der Kamera ist das im Prinzip ganz genau so. Das Objektiv besitzt dafür eine Blende, die der Pupille im Auge entspricht. Eine große Blendenöffnung bewirkt, dass viel Licht auf den Kamerasensor fällt, eine kleine Blendenöffnung bewirkt entsprechend, dass nur wenig Licht auf den Sensor gelangt.

Lichtstarke Objektive, die man z.B. in der „Avaiable Light“-Fotografie einsetzt, haben eine sehr große Blendenöffnung. Ist die Blende ganz geöffnet, spricht man auch davon, dass man „mit Offenblende fotografiert“.

Warum also nicht immer mit möglichst großer Blendenöffnung fotografieren? Zum einen ist die Abbildungsqualität der Objektive bei Offenblende (und übrigens auch bei der kleinsten Blendenöffnung) geringer als im mittleren Blendenbereich. Zum anderen ist die Schärfentiefe – also der Bereich des Bildes, der scharf erscheint – von der Blendenöffnung abhängig:

Eine große Blendenöffnung bewirkt, dass die Schärfentiefe geringer wird. Das kann sich z.B. darin äußern, dass bei einem Bild nur das Hauptmotiv scharf abgebildet erscheint, der Hintergrund aber unscharf.

Bei Portraitaufnahmen ist das meist beabsichtigt, in der Landschaftsfotografie will man dagegen meist eine möglichst große Schärfentiefe. Das Bild sollte vom Vordergrund bis zum Horizont scharf sein.

Mein Hund hat sich dankenswerterweise als Versuchsobjekt zur Verfügung gestellt, um den Zusammenhang zwischen Schärfentiefe und Blendenöffnung zu verdeutlichen:

Jacky bei Blende f/8.0

Blende f/8.0

Jacky bei Blende f/6.3

Blende f/6.3

Jacky bei Blende f/1.4

Blende f/1.4

 

 

 

 

 

Aus diesem Grunde spielen lichtstarke Objektive in der Landschaftsfotografie auch nicht eine so große Rolle wie in anderen Fotografiesparten. Einfach, weil man aufgrund der geringeren Schärfentiefe sowieso selten mit großen Blendenöffnungen fotografiert.

Eine Sache solltest du noch wissen: Die Zahlen auf der Blende stehen im umgekehrten Verhältnis zur Größe der Blendenöffnung. Das heißt, je kleiner die Zahl, desto größer ist die maximale Blendenöffnung. Lichtstarke Objektive haben Blenden von 1.2 oder 1.4 und eignen sich daher gut, wenn es darum geht, mit möglichst wenig Licht auszukommen (z.B. bei Aufnahmen in Innenräumen oder bei der Konzertfotografie).

Die Verschlusszeit

Die Verschlusszeit ist der zweite Faktor im Blende-Verschlusszeit-ISO-Dreieck. Sie gibt an, wie lange der Verschluss geöffnet wird, damit Licht auf den Sensor fallen kann. Klar, je länger die Verschlusszeit, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor.

Verschlusszeiten können von mehreren Sekunden (im Extremfall auch mehrere Minuten) bis in den Bereich von tausendstel Sekunden liegen. Längere Verschlusszeiten machen den Einsatz eines Stativs notwendig.

Kurze Verschlusszeiten werden immer dann eingesetzt, wenn es darum geht, schnelle Bewegungen „einzufrieren“. Typischerweise z.B. in den Sportfotografie oder häufig auch in der Tierfotografie.

In der Landschaftsfotografie werden dagegen häufig längere Verschlusszeiten eingesetzt. Warum? Damit bei kürzeren Verschlusszeiten trotzdem genug Licht auf den Sensor gelangt, müsste die Blende weiter geöffnet werden.

Wir wissen aber schon, dass eine weiter geöffnete Blende (kleinerer Blendenwert) auch eine geringere Schärfentiefe bedeutet (siehe auch meinen Artikel über den Stativkauf). Da man in der Landschaftsfotografie aber meist eine höhere Schärfentiefe erreichen will, nimmt man dafür dann längere Verschlusszeiten in Kauf.

Zusammenfassung bisher: Je länger die Verschlusszeit, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor und je kleiner kann die Blendenöffnung sein. Was wiederrum eine größere Schärfentiefe bewirkt.

Umgekehrt gilt: Je kürzer die Verschlusszeit, desto weniger Licht gelangt auf den Sensor und desto größer muss die Blendenöffnung sein, damit das Licht noch ausreicht. Das bewirkt dann aber eine geringere Schärfentiefe.

Das Ganze kann man aber auch aus „Sicht der Blende“ betrachten: Je kleiner ich die Blendenöffnung (großer Blendenwert) wähle, desto länger muss die Verschlusszeit sein, damit ausreichend Licht auf den Sensor gelangt und umgekehrt.

Der ISO-Wert

Um die Sache noch etwas zu verkomplizieren (oder positiv ausgedrückt: um dem Fotografen noch mehr Einflussmöglichkeiten zu geben) kommt jetzt noch der ISO-Wert ins Spiel.

Bereits zu Analog-Zeiten konnte man Filme mit unterschiedlicher Lichtempfindlichkeit kaufen. Wollte man eher bei wenig Licht fotografieren, hat man einen sehr lichtempfindlichen Film gekauft (hoher ISO-Wert).

Damals war in Deutschland auch noch die Bezeichnung ASA für den ISO-Wert gebräuchlich. Dabei entsprachen 21 ASA einem ISO-Wert von 100. Heute wird nur noch die Bezeichnung ISO verwendet.

Wieso nahm man damals dann nicht einfach immer einen möglichst lichtempfindlichen Film, dann wäre man doch für alle Fälle gerüstet? Leider erkauft man sich die hohe Lichtepfindlichkeit durch eine höhere Körnung, d.h. mit einem sehr lichtempfindlichen Film aufgenommene Bilder sehen irgendwie „gesprenkelt“ aus, jedenfalls bei näherer Betrachtung.

Der ISO-Wert, den man heute an den meisten Digitalkameras einstellen kann, ist eine Art elektronische Simulation der damaligen Filmempfindlichkeit. Erkauft wird heute die höhere Lichtempfindlichkeit nicht mehr mit einer Körnung des Bildes, sondern mit einem höheren Bildrauschen.

Halloween original

Passend zu Halloween: Das Bild habe ich mit meiner alten EOS 450D bei ISO 800 aufgenommen.

Im Endeffekt ist aber alles ganz ähnlich geblieben: Stellt man an seiner Kamera eine höhere Lichtempfindlichkeit (einen höheren ISO-Wert) ein, wirken die Bilder schnell matschig (durch das Bildrauschen).

Teure Kameras haben dieses Bildrauschen i.d.R. besser (sehr viel besser) im Griff, als günstigere Kameras. Übrigens: Eine höhere Kameraauflösung (mehr „Megapixel) geht häufig zu Lasten der Bildqualität, da mehr Pixel auf einer gleich großen Sensorfläche ebenfalls das Rauschen verstärken.

Halloween vergrößert

Und hier ein vergrößerter Ausschnitt aus meinem Halloween-Bild. Deutlich ist das starke Bildrauschen zu erkennen. Gruselig!

Deshalb sind übrigens auch Vollformatkameras (die „Profiskameras“ unter den digitalen Spiegelreflexkameras) ihren Kollegen aus dem Bereich der Crop-Kameras überlegen, was das Rauschverhalten angeht. Einfach deshalb, weil sie einen größeren Sensor haben.

Der ISO-Wert ist übrigens der einzige der Drei, der sich auch nach der Aufnahme noch verändern lässt. Verändere ich nämlich die Helligkeit eines Bildes nachträglich in der Post-Production, erhöhe ich damit tatsächlich den ISO-Wert der Aufnahme. Und – irgendwie gibt´s in der Fotografie nichts umsonst – damit steigt dann wieder das Bildrauschen.

Das ist auch der Grund dafür, dass gerade in den dunklen Bildteilen deutliches Rauschen sichtbar wird, wenn ich in diesen Bereichen die Helligkeit zu sehr anhebe. Aber auch dafür gibt es Mittel und Wege, aber das ist ein Thema für einen anderen Post.

Welchen Einfluss hat nun aber der ISO-Wert auf Blende und Verschlusszeit? Ganz einfach: Je höher der ISO-Wert, desto weniger Licht benötigt der Sensor. Also kann ich die Blende relativ klein wählen (wenn ich eine große Schärfentiefe benötige) oder ich kann die Verschlusszeit kleiner wählen (wenn ich schnelle Bewegungen einfrieren möchte).

Erkaufen muss ich mir die höhere Lichtempfindlichkeit dann aber mit einem höheren Bildrauschen. Gute Kameras haben heute einen ISO-Bereich von 100-16800 (manche auch weniger als 100 bzw. mehr als 16800). Je nach Kameraqualität sind akzeptable DIN-A4-Ausdrucke bis ca. ISO 800/1600 möglich (manche Kameras auch deutlich mehr bzw. deutlich weniger).

In der Praxis

Tja, und was bringt mir das ganze Wissen nun in der Praxis? Und wie wende ich es an?

Zuerst zur Frage, was es mir bringt. Wenn ich ein Motiv gefunden habe, dass ich fotografieren möchte, mache ich mir Gedanken über den Bildaufbau, klar. Dazu gehört auch, dass ich überlege (manchmal bewusst, manchmal unbewusst), welcher Bereich des Bildes scharf abgebildet sein sollte.

Pilze im Hebstwald

Hier habe ich gezielt eine möglichst kleine Schärfentiefe gewählt, damit sich das Motiv vom Hintergrund abhebt. Als Blende habe ich f/5 gewählt.

In der Landschaftsfotografie meist natürlich möglichst alles vom Vordergrund bis zum Hintergrund. In der Naturfotografie kommt es aber auch häufig vor, dass der Hintergrund gezielt weichgezeichnet werden soll, damit sich das Hauptmotiv vom Hintergrund abhebt.

Je nach der gewünschten Schärfentiefe wähle ich nun eine Blende. Eigentlich alle Spiegelreflexkameras und viele Kompaktkameras bieten dazu die Möglichkeit der Zeitautomativ (bei Canon-Kameras z.B. die Abkürzung AV = Aperture Value = Blendenwert am Moduswahlrad) bzw. Blendenvorwahl.

Damit kann der Fotograf die Blende vorwählen, die Kamera ermittelt dann selbstständig die notwendige Verschlusszeit in Abhängigkeit vom eingestellten ISO-Wert.

Dabei muss ich aber beachten, welche Verschlusszeit die Kamera für die Aufnahme ermittelt. Ist die Verschlusszeit nämlich zu lang, kann ich die Aufnahme nicht mehr scharf aus der Hand fotografieren. Der Einsatz eines Stativs würde dann notwendig.

Andererseits – sind bewegte Objekte im Bild (z.B. Blätter im Wind) kann ich die Verschlusszeit auch nicht allzu lang wählen, da die Objekte dann unscharf werden (was manchmal allerdings auch wieder als künstlerisches Ausdrucksmittel erwünscht ist).

In diesem Fall müsste ich dann entweder den ISO-Wert entsprechend anheben (auf Kosten eines höheren Bildrauschens) oder ich müsste die Blende weiter öffnen (niedrigerer Blendenwert), was auf Kosten der Schärfentiefe ginge.

Du siehst, es ist immer eine Art Gratwanderung, um das jeweilige Optimum für das Bild zu finden.

Auch der andere Fall ist möglich: Ich wähle die Verschlusszeit vor, um z.B. sicherzustellen, dass ein Vogel im Flug scharf abgebildet wird. Das Programm am Moduswahlrad wäre dann die Blendenautomatik (bei Canon-Kameras TV = Time Value = Zeitvorwahl). Die Kamera stellt dann automatisch die benötigte Blende ein.

In diesem Fall habe ich natürlich keinen direkten Einfluss mehr auf die Schärfentiefe mehr. Es sei denn, ich verändere den ISO-Wert, was wiederrum einen Einfluss auf die Blende und damit auf die Schärfentiefe hat.

Wem das alles zu viel ist, der hat aber natürlich an allen Kameras die Möglichkeit, die Vollautomatik zu wählen. damit überlässt man der Kamera sämtliche Entscheidungen – auf Kosten der Einflussnahme auf das Bildergebnis. Also wieder: Man erkauft sich den Vorteil in einem Bereich mit einem Nachteil in einem anderen Bereiche.