Fototipps – Einsatz des Histogramms + Exposing to the Right

Ein wichtiges Kriterium für ein gutes Bild ist neben dem Bildaufbau auch, dass die hellen und dunklen Bildbereich Zeichnungen enthalten. Das bedeutet, dass die hellen Bildbereiche nicht so hell sind, dass keine Strukturen mehr erkennbar sind und dass die dunklen Bildbereiche andererseits aber nicht so dunkel sind, dass sie ebf. keine Strukturen mehr enthalten.

Helle Bildbereiche ohne Strukturen sind im Bild rein weiß, dunkle Bildbereiche entsprechend rein schwarz. Es gibt durchaus Motive, bei denen genau das erwünscht ist, i.d.R. ist man jedoch bemüht, das zu verhindern.

Das wichtigste Hilfesmittel hierfür ist das Histogramm. Fast alle moderne DSLRs bieten die Möglichkeit, sich beim Betrachten des Bildes auf dem Kameramonitor auch das zugehörige Histogramm anzeigen zu lassen.

Was ist aber nun eigentlich ein Histogramm? Im Grunde genommen eigentlich nur eine Darstellung der Häufigkeit der Pixel mit verschiedenen Helligkeiten, so wie sie im Bild vorkommen. Eigentlich also nur ein Säulendiagramm der Verteilung der Pixelhelligkeiten im Bild.

Herbstwald

Hier einmal eine Aufnahme von diesem Herbst…

Ganz links im Histogramm sind die schwarzen Pixel, ganz rechts die weißen Pixel dargestellt. Je höher die jeweils eingezeichnete Säule, desto mehr Pixel gibt es mit der jeweiligen Helligkeit im Bild.

Aber wie hilft mir das nun weiter?

Wenn ich ein Motiv, z.B. eine Landschaft fotografiere, schaue ich mir anschließend das Histogramm des Bildes an. Wenn dort das Histogramm auf der linken Seite „abgeschnitten“ ist, bedeutet das, dass es Bildbereiche gibt, die rein schwarz sind. Die also keine Struktur mehr enthalten.

Andersherum bedeutet ein rechts abgeschnittenes Histogramm, dass es rein weiße Bildbereiche gibt.

Histogramm

…und das dazugehörige Histogramm. Man erkennt, dass es relativ wenig sehr dunkle und sehr helle Pixel in dem Bild gibt.

Gute Kameras bieten auch die Möglichkeit, sich solche abgeschnittenen Bereich im Bild direkt als farblich markierten – häufig blinkenden -Bereich anzeigen zu lassen.

Übrigens, ein Histogramm muss nicht die typische Bergform aufweisen, wie im Bild rechts. Es gibt tatsächlich keine Regel was den Verlauf des „Gebirgzugs“ im Histogramm angeht. Tatsächlich wichtig ist nur, dass das Histogramm nicht abgeschnitten sein sollte (sofern man nicht genau dies aus bildästhetischen Gründen beachsichtigt).

Solche „ausgebrannten“ Bereiche lassen sich auch später in der Postproduction nicht mehr retten. Wenn ich z.B. ein Schneefeld am Horizont im Bild habe, dann kann ich selbst dann dort keine Strukuren erkennen, wenn ich die Helligkeit des Bildes nach unten korrigiere. Es fehlt schlicht die Bildinformation an dieser Stelle.

Das gleiche gilt natürlich umgekehrt auch für die dunklen Bildbereiche. Auch dort kann ich mit einer Anhebung der Bildhelligkeit in der späteren Bildbearbeitung in diesen Bereichen keine Details zum Vorschein bringen.

Und jetzt der entscheidende Punkt:

Beim Fotografieren vor Ort geht es nicht darum, ein Foto zu machen, das bezogen auf Farben und Helligkeiten schön aussieht. Es geht darum, eine gute Bildkomposition zu finden und dann ein Foto zu machen, bei dem alle Helligkeiten des Motivs innerhalb des Histogramms liegen. Das Histogramm sollte also nicht abgeschnitten sein (es sei denn, man beachsichtigt genau dies aufgrund künstlerischer Überlegungen).

Auf diese Weise erhalte ich für die spätere Bildbearbeitung die besten Voraussetzungen. Erst später in der Bildbearbeitung erhält das Bild also sein eigentliches Aussehen.

Nun eine weitere Besonderheit, die man beachten sollte. Es geht um das Bildrauschen, dass ich bereit in meinem Artikel über den Zusammenhang zwischen Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert erwähnt habe.

Erhöhe ich nämlich die Helligkeit eines Bildes, macht sich dieses Bildrauschen besonders in den dunklen Bildbereichen bemerkbar. Mein Ziel beim Fotografieren ist es daher, mein Ausgangsmaterial so zu erstellen, dass ich in der anschließenden Bildbearbeitung die dunklen Bereiche so wenig wie möglich aufhellen muss. Eben weil ich sonst in diesen Bereichen unnötiges Bildrauschen erhalte.

Und wie mache ich das? Indem ich das Bild so hell wie möglich fotografiere (also eher leicht überbelichtet) – aber ohne, dass die hellen Bildbereiche ausbrennen. Ich verschiebe also beim Fotografieren das Histogramm so weit in den rechten (hellen) Bereich, dass es gerade noch nicht abgeschnitten wird. Im englischsprachigen Raum wird dies als „exposing to the right“ bezeichnet.

Bei der späteren Bildbearbeitung korrigiere ich dann die Belichtung nach unten und reduziere so das Bildrauschen.