Fotolocations – Nationalpark Berchtesgaden

Schaut man sich die Bilder mancher Landschaftsfotografen v.a. aus Nordamerika oder Neuseeland an, kann man wirklich neidisch werden. Bei der Vielzahl der landschaftlichen Schönheiten dort, verwundert es nicht, dass die meisten Landschaftsfotografen eben genau dort beheimatet sind.

Auch Europa hat tolle Landschaften zu bieten und auch in Deutschland gibt es sie, die besonderen Stellen, an denen man den Atem anhält und staunend vor der Szenerie steht.

Allerdings – dass muss man wohl zugeben – das ganze eben 1-2 Nummern kleiner und weniger spektakulär als in Nordamerika bzw. Neuseeland. Und leider eben auch nicht in der Fülle.

Natürlich gehört zu einem beeindruckenden Landschaftsfoto mehr als nur die Landschaft selbst. Entscheidend ist das Licht, die Komposition, die Farben, letztlich sicher auch das technische Können des Fotografen und die Möglichkeiten, die die Kamera bietet.

Trotzdem gibt es Landschaften, die von sich aus besonders lohnende Ziele für die Landschaftsfotografie bieten. Berge, Seen, alles Ursprüngliche.

Im dichtbesiedelten Deutschland ist es leider gar nicht so einfach, ursprüngliche Landschaften zu finden. Landwirtschaftliche Flächen, Wohngebiete und Industrieanlagen machen es schwer, „unberührte“ Landschaften zu finden. Und hat man dann ein schönes Motiv gefunden, hat man häufig mit Stromleitungen oder Windkraftanlagen im Bild zu kämpfen.

Daher habe ich mir gedacht, ich starte eine kleine Reihe mit landschaftlich besonders schönen Locations in Deutschland. In erster Linie kommen hier natürlich die deutschen Nationalparke, die Alpenregion und die deutschen Küsten in Frage. Aber auch in den deutschen Mittelgebirgslandschaften wird man fündig werden.

Da ich aber in dieser Serie nur solchen Locations vorstellen, an denen ich auch tatsächlich zum Fotografieren gewesen bin, werden Folgebeiträge natürlich erst dann erscheinen können, wenn ich an der entsprechenden Location auch tatsächlich war. So kann ich mehr zu den Umständen vor Ort sagen: Wie sind die Orte jeweils zu erreichen? Welche Besonderheiten gibt es? Fragen, die man nur beantworten kann, wenn man tatsächlich vor Ort war.

Den Anfang dieser kleinen Reihe bildet der Nationalpark Berchtesgaden in den deutschen Alpen. Ich bin ja diesen „Sommer“ dort gewesen und habe im Vorfeld viel recherchiert, was schöne Fotomotive angeht.

Leider wurde aufgrund des wirklich sehr schlechten Wetter aus den ursprünglich geplanten drei Wochen letztendlich nur eine Woche, so dass ich viele Ziele, die ich mir überlegt hatte, dann doch nicht ansteuern konnte.

Also, los geht´s:

Der Nationalpark Berchtesgaden

Der Natioinalpark Berchtesgaden ist Deutschlands einziger Hochgebirgsnationalpark. Er befindet sich im äußersten Süd-Osten des Landes (der kleine „Zipfel“ auf der Landkarte). Die wichtigsten Informationen zum Nationalpark findet man entweder bei Wikipedia oder auf der Internetseite des Nationalparks selbst.

Hier eine (nicht vollständige, s.o.) Liste mir besonders lohnenswerten Motiven im Nationalpark Berchtesgaden:

  • Königssee
  • Obersee
  • Hintersee
  • Rossfeld-Panormastraße
  • Blaueisgeltscherquelle (Bachfotografie)

Es gibt natürlich noch viele weitere schöne Motivlocations, aber wie gesagt, ich war nur eine Woche im Nationalpark und zu mehr hat die Zeit leider nicht gereicht. Gerne hätte ich mir ansonsten noch das Wimbachtal und einige andere Stellen angeschaut.

Wichtigstes Tourismus-Ziel des Nationalparks ist wohl zu Recht der Königssee. Der fjordähnliche See ist an seiner tiefesten Stelle rund 200m tief und hat eine Länge von ca. 7km. Das Wasser schimmert grünlich-türkis und bildet einen tollen Kontrast zu den umgebenden Bergen. Die Watzmann-Gruppe gehört dabei zum eindruckvollsten Bergmassiv am Königssee.

Der Königssee am frühen Morgen

Der Königssee am frühen Morgen

In den Sommermonaten fahren täglich von morgens bis abends elektrisch betriebene Ausflugsboote auf dem Königssee, den See ohne die Boote zu fotografieren ist in den Sommermonaten daher nur entweder früh morgens oder spät abends möglich.

Ich hatte mir vorgenommen, genau das zu tun und war entsprechend früh am See. Leider war der See zwischen 07:00 und 10:00 komplett in Nebel gehüllt, so dass ich erst am späten Vormittag dazu kam, einige Bilder zu machen.

Es gibt keinen Weg, der komplett um den See herum führt. Die Ufer sind meist steil und sind nicht begehbar. Am ehesten findet man schöne Motive entlang des Malerwegs, der von der Anlegestelle der Ausflugsboote im Ort Königssee am Nordufer des Sees startet.

Königssee im Nationalpark Berchtesgaden

Königssee im Nationalpark Berchtesgaden von der Rabenwand

Der Malerwinkel (entlang des Malerwegs kommt man automatisch zum Malerwinkel) ist wohl der bekannteste Aussichspunkt auf den See. Meiner Meinung nach allerdings nicht der schönste. Folgt man dem Malerweg weiter, gelangt man nach ca. 15min an einen weiteren – sehr viel schöneren Aussichtspunkt.

Geht man noch weiter, stößt man schließlich auf einer Kreuzung auf den Hinweis auf die Rabenwand. Der Weg ist steinig und anstrengend, aber der Blick von der Rabenwand auf den Königssee ist einmalig. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Mühe auf sich zu nehmen.

Am südlichen Ende des Königssees befindet sich der Obersee.

Ich persönliche halte den Obersee für einen der schönsten Orte im Berchtsgadener Land – soweit ich das jedenfalls beurteilen kann. Man gelangt allerdings nur mit den Ausflugsschiffen, die auf dem Königssee verkehren dorthin. Diese fahren vom Ort Königssee über das bekannte Sankt Bartolomä bis zur Anlegestelle Saletalm.

Von dort ist es noch ein kurzer Fußweg bis zum Obersee. Auf jeden Fall lohnenswert ist es, dem Weg um den See herum weiter zu folgen bis zur Fischunkelalm – festes Schuhwerk auf jeden Fall empfehlenswert.

Der Obersee - ein Juwel im Berchtesgadener Land

Der Obersee – ein Juwel im Berchtesgadener Land

Leider ist der Obersee nur über die Ausflugsboote zu erreichen. Übernachtungsmöglichkeiten auf der Fischunkel- oder Saletalm gibt es nicht. Die Ausflugsschiffe fahren im Sommer aber nicht vor 08:00 Uhr, d.h. vor 09:00 Uhr kann man nicht am Obersee sein. Aufnahmen in der Goldenen Stunde scheiden damit aus. Gleiches gilt auch für die Abendstunde, hier fahren die letzten Schiffe gegen 18:00 Uhr zurück.

Ein weiteres Problem ist, dass der Obersee doch recht überlaufen ist. Ein schönes Motiv ohne Wanderer / Ausflugsgäste zu machen ist sehr schwierig. Ich habe mich zum Teil damit beholfen, dass ich mehrere Aufnahmen ineinander kopiert habe.

Alles in allem ist der Obersee aber trotzdem ein sehr lohnendes Ziel. An den beiden flachen Uferseiten befinden sich Bootshütten aus Holz, die ein sehr schönes Motiv abgeben.

Hintersee, Zauberwald und Blaueisgletscherquelle

Beide Locations liegen dicht bei Ramsau. Sie lassen sich relativ gut zu einer Tour verbinden, wobei man allerdings zusätzlichen Weg in Kauf nimmt. Wer das nicht will, sollte beide Ziele getrennt ansteuern.

Vom Wanderparkplatz in Ramsau folgt man im Prinzip einfach dem Malerweg ortsauswärts.

Blaueisgletscherquelle bei Ramsau

Blaueisgletscherquelle bei Ramsau

Nach ca. 45min kommt man dann an die Blaueisgletscherquelle. Dabei handelt es sich um einen kleinen Gebirgsbach, der seinen Ursprung im Blaueisgletscher oberhalb des Weges hat. Der Bach kreuzt den Wanderweg, so dass recht ansprechende Motive direkt vom Weg aus zugänglich sind. Der Bach fließt dabei in Kaskaden über moosbewachsene Steine. Allerdings ist das Fotografieren abseits des Wanderwegs schwierig, da das Gelände doch recht steil ist.

Geht man den Wanderweg weiter, so gelangt man nach Querung einer Bundesstraße in den sog. Zauberwald. Ich persönlich habe diesen Abschnitt des Weges nicht als so besonders zauberhaft empfunden. Der Zauberwald ist ein Abschnitt mit relativ viel Totholz und nachwachsendem Wald entlang der Ramsauer Ache, der durch einen Bergrutsch entstanden ist.

Der Malerweg endet schließlich am Hintersee (zumindest bin ich nicht weiter gegangen). Prinzipiell ist der Hintersee ein sehr schöner See, der mit seinen mit Fichten bestandenen

Der Hintersee - Kanada lässt grüßen

Der Hintersee – Kanada lässt grüßen

felsigen Ufern an kanadische Landschaften erinnert. Allerdings ist es nicht ganz einfach, die Szenerie so zu fotografieren, dass keine Häuser / menschlichen Bauwerke mit auf das Bild gelangen. Am besten gelingt dies noch vom nördlichen Ufer, sofern man aufpasst, dass keine Tretboote ins Bild fahren.

Weiter geht´s zur Rossfeld-Panoramastraße. Die Straße ist mautpflichtig, allerdings entfällt in den späten Abendstunden die Mautpflicht. Generell scheint es mir eine gute Strategie zu sein, nach mautpflichtigen kleinen Straßen Ausschau zu halten. Häufig bieten sie ganz besondere Erlebnisse. Auf dem Gipfelpunkt angekommen bieten sich eine herrliche Aussicht in die umgebene Bergwelt bis weit in das Salzburger Land hinein.

An der Rossfeld-Panoramastraße

An der Rossfeld-Panoramastraße

Leider haben auch viele Motorradfahrer die Rossfeld-Panormastraße für sich entdeckt. Nichts gegen Motorradfahrer, ich hatte lange Jahre selbst ein Motorrad und habe Urlaubstouren unternommen. Wenn aber 20 Motorradfahrer auf dem Parkplatz sich gegenseitig dabei anfeuern, wessen Maschine im Stand am lautesten ist, dann ist jedes Verständnis für die Leidenschaft des Motorradfahrens schnell zu Ende. Tatsächlich hatte ich sogar Bedenken, nach Wegfall der Mautpflicht heile wieder den Berg hinunterzukommen, da Heerscharen von Motorradfahrern mit einem Affenzahn um die Kurven zogen. Am ehesten vielleicht noch mit dem Brocken im Harz vergleichbar.

So, dass war mein kleiner Bericht über Locations im Berchtesgadener Land. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Alle Bilder des Trips gibt´s hier.