Techniken – Softfokus-Bilder in der Wald- und Landschaftsfotografie

Ich bin ziemlich häufig hier in meinem „Hauswald“ unterwegs. Obwohl dieser Wald in Abschnitten wirklich atemberaubend ist (siehe z.B. Herbstfotos dieses Jahr), ähneln sich die Fotos mit der Zeit doch ein wenig.Der Softfokus-Effekt

Daher habe ich letztens mal etwas neues probiert und ein wenig mit der Softfokus-Technik experimentiert. Diese Technik liefert gerade in der Waldfotografie schöne Ergebnisse.

Die Anmutung der mit dieser Technik erzeugten Bilder ist träumerisch, romantisch, wie eine Art Schleier aus Licht, der sich über das Bild legt.

Es gibt verschiedene Arten, Softfokus-Bilder zu erzeugen. Mark Hamblin beschreibt in der September-Ausgabe 2014 des Landscape Photography Magazins eine Möglichkeit, den Effekt in-camera zu erzeugen.

Voraussetzung dafür ist eine Kamera mit der Option Mehrfachbelichtung, d.h. ein Bild wird mehrere Male belichtet. Mark beschreibt zwar auch eine Möglichkeit, den Effekt bei Kameras ohne Mehrfachbelichtung zu erzeugen, das ist jedoch wesentlich schwieriger und weitaus weniger flexibel.

Für diejenigen ohne Mehrfachbelichtungs-Funktion gibt es allerdings eine Möglichkeit, den Effekt softwareseitig zu erzeugen (s.u.).

Was ist nun für ein Softfokus-Bild zu tun? Nachdem der Mehrfachbelichtungsmodus eingestellt wurde, macht man das erste Bild mit normalem Fokus, d.h. scharf. Dann verstellt man den Fokus, macht das Bild dadurch unscharf und macht eine weitere Aufnahme auf das gleiche Bild.

Durch das unscharfe zweite Bild wird der oben erwähnte Schleier auf dem Bild erzeugt.

Softfokus "in-camera"

Softfokus-Effekt kameraseitig erzeugt…

Der Effekt lässt sich unendlich variieren, z.B. durch unterschiedliche ausgeprägte Unschärfe beim zweiten Bild. Man kann auch mehr als nur zwei Aufnahmen zu einem Bild zusammenfügen und bei jedem Bild eine unterschiedliche Schärfe einsetzen.

Die zweite Möglichkeit, Softfokus-Bilder zu erzeugen, läuft über das Postprocessing, d.h. die Bearbeitung eines normalen Bildes am Computer.

Hierfür gibt es z.T. eigene Software-Lösungen (z.B. enthält das mittlerweile von Google aufgekaufte Niks Color Efex Pro einen Softfokus-Filter). Der Effekt lässt sich aber auch sehr gut mit Bildbearbeitungsprogrammen erzeugen, die Ebenen beherrschen (z.B. GIMP, Photoshop, Photoshop Elements etc.).

Softfokus softwareseitig

… und das gleiche Motiv noch einmal mit softwareseitig erzeugtem Softfokus-Effekt.

Hierzu wird einfach das Ausgangsbild auf eine zweite Ebene kopiert. Diese zweite Ebene wird anschließend weichgezeichnet. Über die Sichtbarkeit der zweiten Ebene kann anschließend die Stärke des Effekts verändert werden.

Möglich ist auch, die zweite Ebene über einen entsprechenden Ebenenmodus in die erste Ebene einzublenden, z.B. über „negativ multiplizieren“.

Wenn man dann noch für die zweite Ebene mit dem weichgezeichneten Bild eine Ebenenmaske erstellt, lässt sich die Ausprägung des gewünschten Softfokus-Effekts extrem genau justieren, da man mit der Ebenenmaske den Effekt auf die gewünschten Bereiche des Bildes konzentrieren kann.

Ich habe mit beiden Varianten experimentiert und finde, dass die Softwarelösung erstmal bessere Möglichkeiten bietet, da ich das Ergebnis sehr viel besser steuern kann. Auch finde ich, dass die Ergebnisse bei der Softwarelösung besser wirken.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ich immer automatisch auch ein „normales“, d.h. scharfes Bild habe. Mache ich den Effekt „in-camera“, muss ich jedesmal ein zusätzliches scharfes Bild machen, wenn ich das Motiv auch ohne Softfokus-Effekt haben möchte.

Hier nochmal ein Motiv links ohne Effekt, in der Mitte mit kameraseitig erzeugtem Softfokus-Effekt und rechts mit softwareseitg erzeugtem Softfokus-Effekt.

 

Trotzdem bietet auch die „in-camera“-Lösung Vorteile, Der Effekt lässt sich zwar nicht so gut einstellen, dafür kann ich aber viel mehr experimentieren, z.B. dadurch, dass ich mehrere Bilder in einer Mehrfachbelichtung zusammen führe. Eine dritte Ebene bei der Software-Lösung ist dagegen schwierig.

Auf jeden Fall bieten die Softfokus-Bilder einen anderen Zugang zum Motiv und sorgen so für etwas Abwechslung und einen anderen Blick auf scheinbar Bekanntes.