Test – Blackrapid Schultergurt

Der Blackrapid R-Strap RS4 Classic

Der Blackrapid R-Strap RS4 Classic

Seit nunmehr einem halben Jahr bin ich Besitzer eines Blackrapid Schultergurtes, genauer des Blackrapid R-Strap RS4 Classic. Zeit für einen Erfahrungsbericht.

Wozu braucht man überhaupt einen Schultergurt? Schließlich wird jede DSLR mit einem Umhängegurt geliefert. Reicht das nicht – zumal dieser Gurt mit etwas über 50,- nicht gerade ein Schnäppchen ist? Kurze Antwort: Nein, reicht leider nicht.

Die mitgelieferten Gurte sind zum einen meist viel zu kurz – zumindest für etwas größere Leute wie mich. Die Kamera baumelt dann irgendwo zwischen Kinn und Brustkorb (vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt), nicht aber vor dem Bauch, wo sie bequem zu tragen wäre.

Ganz übel wird das dann, wenn man noch eine Jacke mit Kapuze an hat. Das Überstreifen der Kamera über Jacke und Kapuze wird dann schnell zur Zirkusnummer.

Zudem sind die mitgeliederten Gurte meist sehr dünn. Und schneiden deshalb nach längerem Tragen in den Nackenbereich – zumal eine DSLR mit entsprechendem Objektiv schnell an die 2-3kg-Marke kommt, wenn nicht mehr. Da hilft dann auch die dünne Plastikpolsterung des mitgleiferten Gurtes nicht mehr.

Überhaupt lässt sich eine DSLR nur sehr schlecht um den Hals vor dem Körper tragen. Zum einen ist diese Position sehr unangenehm (s.o.), zum anderen baumelt die Kamera bei jeder Bewegung hin und her. Nach spätestens 10min hatte ich jedesmal die Nase voll und habe die Kamera lieber in der Hand gehalten.

Was aber auch nicht das Optimale ist, denn erstens hat man eine Hand weniger frei und zweitens ist die Kamera dann null gegen Runterfallen gesichert.

Aber zum Glück gibt es dafür Schultergurte :-).

Beim Blackrapid Schultergurt wird die Kamera nicht an den normalerweise für den Gurt am Kameragehäuse vorgesehenen Ösen befestigt, sondern mittels einer spezielle Schraube am Stativgewinde befestigt.

Befestigung des Blackrapid R-Strap

Mittels einer kleinen, aber sehr stabilen Schraube, die in das Stativgewinde der Kamera eingedreht wird, wird der Gurt an der Kamera befestigt. Der Gurt wird dann mittels eines verschraubbaren Karabiners an der Schraube befestigt.

Ich habe zwar keine Erfahrungen mit Schultergurten anderer Hersteller, aber ich vermute, dass das Prinzip bei den meisten Gurten ähnlich ist.

Ein Gummistück an der Schraube verhindert, dass diese sich versehentlich löst. Allerdings bietet es sich an, von Zeit zu Zeit den festen Sitz zu kontrollieren.

Am Gurt befindet sich ein kleiner Karabinerhaken, der in die Schraube am Kameraboden eingehakt werden kann. Zusätzlich kann (und sollte) der Karabiner durch einfaches Verschrauben gesichert werden.

Der Karabiner ist beweglich am Gurt befestigt. Trägt man die Kamera mittels des Schultergurts, hängt die Kamera wahlweise links oder rechts an der Seite des Körpers. Und zwar mit dem Kameraboden nach oben (da dort ja die Befestigungsschraube in das Stativgewinde eingedreht ist).

In dieser Position lassen sich selbst schwere Kameras sehr angenehm auch über längere Zeit tragen, beim Gehen schwankt die Kamera nicht unkontrolliert hin und her. Wem das immer noch nicht reicht, der kann optional noch einen Brustgurt befestigen, dann sitzt die Kamera „bombenfest“ (allerdings lässt sich die Kamera dann auch nicht einfach mehr zum Fotografieren ans Auge führen).

Karabiner und Clips des Blackrapid R-Strap

Der Karabinder ist beweglich am Gurt angebracht, so dass die Kamera zum Fotografieren leicht von der Seite aus hochgenommen werden kann. Mit Hilfe der Clips lässt sich die Kamera aber auch in ihrer Position am Gurt fixieren

Um ein Foto zu machen, wird die Kamera einfach von der Seite ans Gesicht gehoben. Da der Karabiner beweglich am Gurt befestigt ist, bleibt der Gurt (und die Schulterpolsterung des Gurtes) an Ort und Stelle. Nur die Kamera bewegt sich am Gurt entlang. Das geht schnell und ist sehr angenehm von der Bewegungsausführung.

Auf beiden Seiten der Kamera befinden sich zusätzlich noch verstellbare Plastikstopper. Sollte der Gurt beim Fotografieren doch einmal auf der Schulter verrutschen, bewirkt der hintere Stopper, dass der Gurt automatisch wieder in die richtige Position geführt wird, wenn man nach dem Fotografieren die Kamera wieder in die seitliche Position bringt.

Mit dem vorderen Stopper kann man die Kamera fixieren, so dass die Kamera auch dann an der Körperseite bleibt, wenn man sich etwas vorbeugt (bei mir z.B. beim Hund-Anleinen). Ohne diesen zweiten Stopper würde die Kamera in diesen Situationen jedesmal nach vorne rutschen.

Schulterpolsterung des Blackrapid R-Strap

In einer kleinen Tasche an der breiten Schulterpolsterung lassen sich 1-2 SD-Karten unterbringen

In der Schulterpolsterung befindet sich zusätzlich ein kleines Einschubfach für z.B. SD-Karten.

Alles in allem bin ich von dem Blackrapid Schultergurt ziemlich angetan. Berichte von anderen Usern, nach denen sich die Befestigungsschraube gelöst hat, kann ich nicht bestätigen. Klar, von Zeit zu Zeit sollte man etwas nachkontrollieren, aber das sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Einziges Manko ist evt., dass man die Befestigungsschraube komplett herausdrehen muss, wenn man das Stativ einsetzen will. Aber eine entsprechende Schnellwechselplatte schafft selbst für dieses „Problem“ Abhilfe. Ich habe mir zu diesem Zweck die TY-LP70 von Sirui zugelegt.