Erfahrungsbericht – Manfrotto 055CXPRO4

Das Manfrotto 055CXPRO4, hier mit meiner alten EOS450D

Das Manfrotto 055CXPRO4, hier mit meiner alten EOS450D

Seit einem dreiviertel Jahr bin ich nun Besitzer des Manfrotto 055CXPRO4 – Zeit für ein kleines Fazit. Für eilige Zeitgenossen hier in der Zusammenfassung:

Pro´s:

  • leicht
  • geringes Packmaß
  • Stativbeine unabhängig voneinander abspreizbar, mit vier Rasterpunkten
  • Mittelsäule auf sehr einfache Weise umklappbar, dadurch bodennahes Arbeiten möglich
  • hohe Standfestigkeit

Con´s

  • Stativbeine nur mit Gummifüßen, Spikes müssen separat gekauft werden
  • umgeklappte Mittelsäule nicht horizontal

Und hier nun die ganze Story:

Ich hatte mir das Stativ im letzten Jahr zu meiner Alpentour zugelegt. Wieso man überhaupt in ein gutes Stativ investieren sollte, habe ich schon in diesem Artikel beschrieben. Wichtig war mir damals (und daran hat sich bisher auch nichts geändert), dass das Stativ sowohl die Kamera zuverlässig vor Erschütterungen schützt, als auch dass es leicht und klein verstaubar ist. Zudem sollte sich das Stativ auch gut für Nah- und Makroaufnahmen einsetzen lassen.

Meine Wahl viel auf das Manfrotto 055CXPRO4, weil dieses Stativ genau diese Kriterien erfüllt.

Das Stativ ist aus Carbon gefertig. Das garantiert eine hohe Standfestigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht. Aluminiumstativ bringen deulich mehr auf die Waage, zudem ist die Aluminiumgewinnung dermaßen umweltzerstörend, dass ich nach Möglichkeit auf diesen Werkstoff verzichte.

Von Anfang an war mir daher klar, dass ich ein Carbonstativ haben wollte. Bisher habe ich diese Entscheidung auch nicht bereut.

Das Manfrotto 055CXPRO4 mit umgelegter Mittelsäule.

Das Manfrotto 055CXPRO4 mit umgelegter Mittelsäule.

Das Manfrotto 055CXPRO4 hat wie der Name schon vermuten lässt vier Beinsegmente. Neben dem PRO4 gibt es auch eine Variante mit nur drei Beinsegmenten. Naturgemäß sind Stative mit weniger Beinsegmenten stabiler. Dafür lassen sie sich aber auch nicht so klein zusammenschieben, wie ihre 4-Segment-Kollegen. Das 055CXPRO4 ist für mich ein guter Kompromiss zwischen Stabilität einerseits und handlichem Packmaß andererseits.

Umklappbare Mittelsäule

Die eigentliche Besonderheit beim Manfrotto 055CXPRO4 (bzw. bei der gesamten Serie) ist aber die umlegbare Mittelsäule in Verbindung mit den bis über 180° abklappbaren Beinen. Dies ermöglicht es auf einfachste Weise mit der Kamera bis auf Bodenniveau runterzugehen, um z.B. Nahaufnahmen von Pflanzen zu machen.

Weiter abgeklappt sieht man, dass die Mittelsäule nicht mehr horizontal ist.

Weiter abgeklappt sieht man, dass die Mittelsäule nicht mehr horizontal ist.

Bei vielen Stativen funktioniert der Umbau dagegen dergestalt, dass die Mittelsäule komplett aus dem Stativ entfernt wird und dann umgekehrt wieder eingebaut wird. Auch mit diesem System erreicht man mit der Kamera nahezu Bodenniveau. Der Vorteil des Manfrotto 055CXPRO4 ist aber, dass die Kamera an der umgeklappten Mittelsäule sich beliebig drehen lässt. So erreicht man sehr bequem nahezu jeden Punkt.

Leider ist die Mittelsäule wenn sie umgeklappt wird zumindest in der mittleren Rasterstellung  konstruktionsbedingt nicht völlig horizontal. Natürlich kann man die Kamera mit dem Kugelkopf entsprechend nivellieren, aber manchmal hat mich das schon gestört.

Spikes an den Stativfüßen müssen leider separat gekauft werden.

Spikes an den Stativfüßen müssen leider separat gekauft werden.

Ein weiterer Minuspunkt des Manfrotto 055CXPRO4 ist, dass es nur Gummiabdeckungen für die Stativfüße von Haus aus mitbringt. Spikes, die die Standfestigkeit v.a. auf weichem Untergrund erhöhen, müssen als Zubehör relativ teuer zugekauft werden.

Andere Stativhersteller bieten da bessere Möglichkeiten. Selbst mein altes 50,-€ Stativ hat herausdrehbare Spikes, die man bei Nichtgebrauch praktisch in den Gummifüßen versenken kann.

Einzeln abklappbare Stativfüße

Bei günstigen Stativen sieht man häufig, dass die Stativbeine meist durch eine Kunststoffhalterung miteinander verbunden sind. Dies soll die Stabilität erhöhen. Bei eigentlich allen guten Stativen sind die Beine dagegen einzeln abklappbar, so auch beim 055CXPRO4. Die einzeln abklappbaren Beine ermöglichen das Aufstellen des Stativs an nahezu jedem Ort.

Die separat abklappbaren Beinsegmente erlauben ungewöhnliche Aufstellungsvarianten.

Die separat abklappbaren Beinsegmente erlauben ungewöhnliche Aufstellungsvarianten.

So habe ich das Stativ beispielsweise schon so aufgestellt, dass ein Bein horizontal als Stütze an einer Felswand fungierte, während die anderen beiden Beine für den Stand sorgten. Natürlich steht ein so aufgestellten Stativ nicht so stabil wie ein mit allen drei Beinen am Boden stehendes Stativ.

Generell bin ich mit der Stabilität des Manfrotto 055CXPRO4 sehr zufrieden. Allerdings spielt hier natürlich auch der Stativkopf eine wichtige Rolle. Ich verwende einen Sirui-Kugelkopf, darüber werde ich demnächst einmal in einem anderen Artikel berichten.

Bei voll ausgezogenen Stativbeinen und ausgezogener Mittelsäule (was man i.d.R. wegen der schlechteren Standfestigkeit vermeiden sollte), sitzt die Kamera auf Über-Kopfniveau (ich bin 1,90m groß). Selbst bei eingefahrener Mittelsäule kann ich also recht bequem durch den Sucher schauen.

Von ganz klein...

Von ganz klein…

Ausfahren lassen sich die Stativbeine recht bequem über große Halteklammern, die relativ einfach umgelegt werden können. Leider schaffe ich es mit meinen relativ normal großen Händen nur, zwei der drei Klammern auf einmal umzulegen, so dass ich pro Staitvbein zwei „Arbeitsschritte“ brauche, um die das Stativbein voll aus- bzw. einzufahren. Aber damit kann ich leben.

...bis ganz groß ist alles möglich.

…bis ganz groß ist alles möglich.

Das Manfrotto 055CXPRO4 hat mittlerweile einen Nachfolger bekommen – das MT055CXPRO4- das zwar ein etwas kürzeres Packmaß hat, dafür aber 400g schwerer ist. So gesehen bin ich froh, dass ich das ältere Modell habe. Wenn man mehrere Stunden mit kompletter Fotoausrüstung unterwegs ist, ist man froh über jedes Gramm, das man nicht tragen muss.

Alles in allem bin ich also sehr zufrieden mit dem Manfrotto 055CXPRO4. Durch das geringe Gewicht lässt es sich relativ gut auch auf etwas längeren Wanderungen tragen. Natürlich merkt man das Gewicht nach einiger Zeit trotzdem, aber das nehme ich dann gerne in Kauf, wenn die Qualität der Bilder anschließend die Mühen des Tragens wiederspiegeln 🙂