Warum ein gutes Stativ so wichtig ist + Tipps für den Stativkauf

Ein – möglicherweise schweres – Stativ den ganzen Tag lang durch die Gegend zu schleppen, ist keine Freude. Und doch sagt jeder Landschaftsfotograf, der sein Hobby ernst nimmt – oder der die Landschaftsfotografie sogar professionell betreibt – dass eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände ein gutes, hochwertiges Stativ ist.

In diesem Artikel wird es darum gehen, warum das so ist, und was man bein Stativkauf beachten sollte.

Wozu überhaupt ein Stativ?

Sicher kann man auch aus der Hand gute und ansprechende Fotos schießen. Tatsächlich sind viele, wenn nicht die meisten meiner Fotos in den verschiedenen Galerien auf diese Weise entstanden. Das Fotografieren aus der Hand ist flexibel – man kann schnell den Blickwinkel und die Kameraposition verändern, neue Perspektiven ausprobieren. Und doch kommt man auf Dauer an einem guten Stativ nicht vorbei.

Ein Grund dafür ist, dass man selbst bei ruhiger Hand und guter Kamerahaltung die Kamera nie 100%ig still halten kann. Ein leichtes Schwanken / Zittern ist einfach unvermeidlich. Bei kurzen Verschlusszeiten fällt das i.d.R. nicht weiter auf (je nach Brennweite unterschiedlich – Faustregel Kehrwert der Brennweite).

Leider bedeutet eine kurze Verschlusszeit meist eine relativ weit geöffnete Blende. Und daraus resultiert eine geringere Schärfentiefe. In der Landschaftsfotografie ist man aber meist gerade bemüht, die Schärfentiefe möglichst zu maximieren. Dilemma.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die interessantesten Lichtverhältnisse in der Landschaftsfotografie (die frühen Morgen- und späten Abendstunden) zugleich am wenigsten Licht liefern – also wiederrum längere Belichtungszeiten erfordern, wenn man auf Schärfentiefe wert legt.

Einer der Gründe für den Einsatz eines Stativs in der Landschaftsfotografie ist also eine möglichst große Schärfentiefe bei gleichzeitiger maximaler Bildschärfe zu erreichen.

Übrigens: Bilder, die am Monitor noch scharf aussehen, können bei größeren Ausdrucken schnell an Schärfe verlieren. Dieses Phänomen kennt eigentlich jeder: Beim Betrachten am Kameramonitor sehen die Bilder gestochen scharf aus, später am Monitor des Computers sind die gleichen Bilder dann auf einmal unscharf und irgendwie matschig.

Grund dafür ist, dass der Kameramonitor weniger Pixel hat. Das Bild wird auf die Größe des Kameramonitors verkleinert und gewinnt dadurch scheinbar an Schärfe.

Ein weiterer Grund für den Einsatz eines Stativs sind kreative Landschafsaufnahmen, bei denen man häufig mit längeren Belichtungszeiten arbeitet. Bekanntestes Beispiel dafür sind Aufnahmen von fließendem Wasser, bei denen durch die lange Verschlusszeit das Wasser einen fließenden, dynamischen Charakter bekommt.

Das Team von Cambridge in Color hat im Beitrag „Using Camera Shutter Speed Creatively“ eine tolle interaktive Möglichkeit eingebaut, um die Wirkung der Verschlusszeit auf die Darstellung von Wasser direkt zu sehen (am Ende des oberen Drittels des Artikels).

Solche Aufnahmen sind nur mit einem hochwertigen Stativ möglich – jedenfalls dann, wenn die anderen Bildteile scharf sein sollen. Häufig wird zusätzlich ein Graufilter eingesetzt, um längere Verschlusszeiten zu erreichen. Beispiele für solche Bilder findest du auch hier.

Häufig sieht man auch bei Landschaftsaufnahmen, dass die Wolken etwas verschwommen und weichgezeichnet sind. Auch dadurch bekommt die Aufnahme mehr Dynamik und auch solche Aufnahmen sind nur mit einem hochwertigen Stativ möglich.

Worauf sollte man beim Stativkauf achten?

Oberstes Gebot beim Stativkauf ist die Stabilität. Das beste Stativ nutzt nichts, wenn es seine Hauptaufgabe – nämlich die Kamera erschütterungsfrei zu halten – nicht erfüllt. Allerdings sollte man dabei im Kopf behalten, dass das Stativ nur ein Glied in der Kette ist. Der Stativkopf spielt bei der Stabilität eine genauso wichtige Rolle wie das Stativ selbst (gute Stative werden i.d.R. ohne Stativkopf angeboten).

Diese Hauptanforderung disqualifiziert leider schon die meisten günstigen Stative. Für ein brauchbares Stativ sollte man schon ab ca. 300,- € aufwärts einplanen. Todd Sisson, ein neuseeländischer Landschaftsfotograf, beschreibt in seinem eBook „Living Landscapes“ den normalen Ablauf eines Stativkaufs sehr nett:

Man kauft sich ein günstiges Stativ, um es nach einiger Zeit durch ein etwas weniger günstiges zu ersetzen. Dieses wird dann durch ein Mittelklasse-Stativ ersetzt, um schließlich doch ein hochwertiges Stativ zu kaufen. Rückblickend stellt man dann fest, dass man doppelt so viel Geld für das Stativ (bzw. die Stative) ausgegeben hat, wie man es hätte, wenn man gleich ein gutes Stativ gekauft hätte.

Um es aber noch einmal zu betonen: Wer nur hin und wieder mal auf einer Familienfeier eine Gruppenaufnahme mit dem Selbstauslöser machen möchte und dafür ein Stativ braucht, der ist mit den günstigen Varianten bestens bedient. Wer allerdings sein Hobby Landschaftsfotografie ernsthaft betreibt, der sollte über den Kauf eines hochwertigen Stativs nachdenken.

Das beste Stativ nützt allerdings auch nichts, wenn es zu Hause steht, während man fotografiert, weil es zu schwer ist. Ein guter Rat ist also, ein möglichst leichtes Stativ zu kaufen, dass gleichzeitig die notwendige Stabilität liefert. Carbonstative erfüllen diese Kriterien, schlagen aber beim Preis wiederrum zu Buche.

Fazit: Man sollte das leichteste (gute) Stativ kaufen, dass man sich zu leisten bereit ist. Das gilt jedenfalls für den Landchaftsfotografen, der oft weite Strecken mit dem Stativ zurücklegt. Ein Studiofotograf braucht natürlich kaum auf das Gewicht zu achten.

Die wichtigsten Anforderungen an ein gutes Stativ sind damit genannt. Ansonsten gibt es noch zu beachten, dass das Stativ in etwa der Körpergröße entsprechen sollte, damit man nicht am Ende des Tages mit Rückenschmerzen nach Hause geht.

Wichtig ist dabei, dass das Stativ ohne ausgefahrene Mittelsäule (falls das Stativ denn eine hat) die Größe erreicht. Auf die Mittelsäule sollte man nach Möglichkeit ganz verzichten, da sie den Aufbau wieder destabilisiert. Eine auf einer ausgefahrenen Mittelsäule plazierte Kamera ist niemals so stabil, wie eine ohne ausgefahrene Mittelsäule.

Fotografen, die auch im Makrobereich arbeiten wollen, sollten darauf achten, dass das Stativ eine möglichst bodennahe Kameraposition erlaubt (z.B. um Blütenportraits zu machen). Manche Stative bieten auch die Möglichkeit, die Mittelsäule umzulegen und erlauben dadurch vielfältigste Kamerapositionen.

Günstige Stative besitzen oft Verstrebungen zwischen den einzelnen Stativbeinen. Davon würde ich abraten, da diese Verstrebungen verhindern, dass man die Stativbeine weiter auseinanderklappen kann. Dadurch kann man zum einen die Kamera nicht in eine bodennahe Position bringen, zum anderen schränken sie die Aufstellmöglichkeiten des Stativs ein: Ein Stativ ohne solche Verstrebungen kann ich z.B. dergestalt aufbauen, dass zwei Beine am Boden stehen und das dritte als Abstützung z.B. an einer Felswand eingesetzt wird.

Ob man ein Stativ mit drei oder vier Auszügen (Beinsegmente) benutzt, ist eher eine Geschmacksfrage. Stative mit drei statt vier Auszügen haben leichte Stabilitätsvorteile, dafür lassen sie sich nicht so klein zusammenschieben und sind beim Transport daher unhandlicher.

Relativ auf der sicheren Seite ist man beim Stativkauf, wenn man sich auf bewährte Marken stützt (Gitzo, Manfrotto). Natürlich bieten aber auch andere Hersteller gute Stative an. Ich selbst benutze das Manfrotto 055CXPro4 zusammen mit einem Sirui Ballhead und bin eigentlich ziemlich zufrieden damit.